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Realität in der Altenpflege

In meinem ersten Blog möchte ich auf die Situation und die Arbeitsbedingungen in der Altenpflege aufmerksam machen und meine Erfahrungen aufschreiben.

 

Ich habe mich nach der Schule für eine Ausbildung zur Altenpflegerin entschieden, weil ich Menschen, die nicht mehr für sich selbst sorgen können, helfen möchte.

Meine erste Woche in dem Altenheim in Hamburg war der totale Horror.

Die Pflege war unter aller Sau, weil alle Stationen unterbesetzt waren. Auf meiner Station waren ca. 30 Bewohner, die alle Pflege benötigten. Ich war morgens mit einer Examinierten Pflegekraft alleine und die Arbeit verlief wie am Fließband.

"Rein ins Zimmer. Bewohner auf Toilettenstuhl und ans Waschbecken. In das nächste Zimmer, Bewohner bei der Grundpflege geholfen, wieder in das erste Zimmer"

Es war einfach grauenvoll und ich hätte mir nicht vorgestellt, das es so schrecklich ist.

Nach der ersten Woche hatte ich schon keine Lust mehr, verständlich oder?

In der zweiten Woche wurde ich ins kalte Wasser geschmissen und wurde an ein Bett gesetzt, in dem eine ältere Dame lag. Der Atmung zu urteilen, wusste ich was los war. Sie lag im sterben und ich saß da, 16 jahre jung, keinerlei Erfahrungen mit dem Thema "Tod" und sollte ihr die letzten Stunden/Minuten so angenehm wie möglich machen. Ich wusch die Bewohnerin und zog ihr ein hübsches Nachthemd an. Ich setzte mich zu ihr ans Bett, hielt ihre Hand und erzählte ihr etwas.

Ich hörte Schritte im Flur und ich wusste, das es die Tochter von der Bewohnerin war. Als sie die Tür öffnete, machte die Bewohnerin den letzten Atemzug und ging von uns.

Ich hatte zum ersten mal einen toten Menschen gesehen und in diesem Moment wusste ich gar nichts mit mir anzufangen. Ich ging raus und musste erstmal was trinken.

Die Wochen verstrichen und ich sollte auf der Dementenstation aushelfen.

Die Atmosphäre war etwas angenehmer als auf meiner Station und die Kollegen schienen auch sehr nett zu sein.

Ich ging mit einer Pflegehelferin in ein Zimmer und sollte ihr beim Waschen helfen. Die Frau lag im Bett und konnte sich nicht mobilisieren, also wuschen wir sie im Bett. Als meine Kollegin den Intimbereich gewaschen hatte, nahm sie eine Flasche Pinimenthol und rieb den Intimbereich damit ein (Pinimenthol wird, wie z.B Wick Medi Night, auf Rücken oder Brust verrieben) Die Dame konnte nicht reden, aber ich kann mir denken was sie für Schmerzen hatte, da es  ordentlich brennt.

Mir wurde ganz schnell klar, ich muss weg aus dem Heim.

Den Pflegerischen Zustand und den Umgang mit den Bewohnern wollte und konnte ich mir nicht länger angucken.

Schließlich wechselte ich meine Ausbildungsstätte und dort war alles viel besser. Die Pflege war 1A und die Bedürfnisse der Bewohner wurden berücksichtigt. DAS nenne ich schönes Arbeiten.

 

Leider gibt es viele Heime und Pflegedienste, die nur auf das Geld schauen und die Pflege der Bewohner/Paienten vernachlässigen oder der Standard aufgrund von Mangel an Pflegepersonal nicht erreicht wird.

Solltest du dich für eine Ausbildung zur Altenpflegerin entscheiden, achte bitte darauf, das du in ein anständiges/n Pflegeheim/Pflegedienst kommst. Schaue hinter die Kulissen und nicht nur auf die äußere Fassade. Sonst wirst du schnell unglücklich werden. Mache ein Praktikum und schaue wie die Pfleger mit den Bewohnern umgehen und wie die Pflege und Wundversorgung aussieht. Achte darauf, das genug Personal eingestellt ist und die Stationen mit dem Personal gedeckt sind.

 

 

 

17.6.13 07:45
 


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